Grüne Anleihen: Investieren mit gutem Gewissen?
Investitionen in grüne Vermögenswerte und Projekte sind Teil des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Eine wichtige Möglichkeit, das erforderliche Kapital zu beschaffen, besteht darin, öffentliche und private Investoren zum Kauf von grünen Anleihen – sogenannten „Green Bonds“ – zu bewegen.
Vor allem möchte die EU bei dieser Initiative die ESG-Kriterien berücksichtigen:
- Umwelt („Environment“),
- Soziales („Social“)
- Verantwortungsvolle Unternehmensführung („Governance“)
Ein EU-Standard für grüne Anleihen soll klar festlegen, welche Vermögenswerte und Projekte finanziert werden können.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) als weltweiter Vorreiter bei grünen Anleihen
Nachdem die Europäische Investitionsbank (EIB) 2007 die allererste „Green Bond“-Anleihe begeben hatte, wuchs der Markt zunächst langsam, gewann dann aber an Fahrt. Im Jahr 2019 belief sich sein Volumen bereits auf 258 Milliarden US-Dollar. Er ist heute das am schnellsten wachsende Segment des Anleihemarktes.
Entwicklung des internationalen Marktes für grüne Anleihen
2007
Erste „Green Bond“-Emission (EIB, 823 Mio. USD)
2008
Erste „Green Bond“-Emission in einer Region (Nord-Pas-de-Calais, 74 Mio. $)
2012
Das Gesamtvolumen der Green Bonds erreicht 3 Milliarden Dollar
Aber was sind eigentlich „Green Bonds“?
Grüne Anleihen sind eine Form des Impact Investing. Grüne Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die sowohl Emittenten als auch Anlegern die Möglichkeit bieten, Umwelt- und Klimaschutzprojekte zu unterstützen.
Ein Rückblick auf die kurze Geschichte der grünen Anleihen zeigt, dass Europa im regionalen Vergleich zunächst eine Vorreiterrolle einnahm. Mit einem Anteil von 45 Prozent an den Emissionen ist Europa nach wie vor die wichtigste große Region. Die treibende Kraft der EIB scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen. Betrachtet man jedoch die einzelnen Länder, so lagen die USA im Jahr 2019 mit einem Emissionsvolumen von 51,3 Mrd. USD deutlich vor China mit 31,3 Mrd. USD und Frankreich mit 30,1 Mrd. USD.

Die Emittenten von Green Bonds sind oft selbst gar nicht so umweltfreundlich!
Anfangs stammten die Emittenten von Green Bonds aus dem staatsnahen oder dem rein staatlichen Sektor, wozu auch supranationale oder internationale Organisationen gehörten. Ab 2013 begannen auch private Unternehmen, grüne Anleihen zu emittieren. Das Emissionsvolumen privater Emittenten hat seit 2013 enorm zugenommen, sodass diese „Corporate Green Bonds“ mittlerweile ein Drittel des gesamten Marktes ausmachen. Diese grünen Unternehmensanleihen werden oft von Unternehmen begeben, die ursprünglich nicht aus grünen Sektoren stammen. Der Markt gliedert sich derzeit wie folgt:
- Energie 34 %
- Immobilien 26 %
- Transport 15–20 %
- Wasser 10 %
Also ist das alles nur Greenwashing?
In Deutschland wurden 2019 rund 70 % der Emissionserlöse in erneuerbare Energien und 25 % in Immobilien investiert. Die Hauptmotive für die Emission von Green Bonds sind die niedrigeren Kapitalkosten und die reputationsfördernden Nachhaltigkeitssignale gegenüber der Öffentlichkeit.
Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass eine trügerische Nachhaltigkeitsfassade errichtet wird, das sogenannte „Greenwashing“. Angesichts der niedrigeren Kapitalkosten hoffen Unternehmen, durch ein besseres Nachhaltigkeitsrating ein positiveres Kreditrating zu erreichen und somit günstigere Finanzierungsbedingungen zu erhalten. Oder Unternehmen hoffen, dass Investoren bereit sind, für den guten Zweck geringere Renditen in Kauf zu nehmen. In beiden Fällen wäre das Ergebnis ein „Green-Bond-Aufschlag“ (auch „Greenium“ genannt).
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Festlegung von Standards für die Emission von grünen Anleihen
Für wirkungsorientiertes Investieren und damit auch für grüne Anleihen gilt es als unerlässlich, ein hohes Maß an Transparenz hinsichtlich der Anlageziele zu gewährleisten und eine zweckgebundene Verwendung der Mittel sicherzustellen. Nach der Veröffentlichung der „Green Bond Principles“ (GBP) und später des „Climate Bond Standard“ (CBS) können emittierende Unternehmen nun ein CBS-Siegel erhalten. Die von der EU ins Leben gerufene Initiative sollte sich zudem umfassender an den ESG-Zielen und damit auch an den Menschenrechten orientieren.
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Geneve Invest verfolgt die Entwicklung des Green-Bond-Segments sehr aufmerksam und unterstützt die Einführung eines Standards für die Festlegung von Nachhaltigkeitszielen sowie für die Überprüfung der zweckgebundenen Verwendung der Mittel aus Green Bonds.
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